Am Anfang stand ein Telefonanruf: die erste Kontaktaufnahme mit den potentiellen Teilnehmern der Konferenz. “Nicht schon wieder ein Werbeanruf von Leuten, die nur mein Geld wollen”, macht ein älterer Herr aus Schleswig-Holstein seine anfänglichen Zweifel deutlich. In der Tat herrschte unter den zufällig Angerufenen zunächst vielfach Skepsis. “Ist das überhaupt seriös?”, erinnert sich eine Dame aus dem Allgäu an ihre erste Reaktion. Um herauszufinden, ob es sich hierbei nicht um eine ”Kaffeefahrt nach Berlin” handelt, hat sie sich sofort ins Internet aufgemacht und recherchiert. Und tatsächlich: Keine Bürger-Veräppelung, keine Werbeaktion – es gibt sie wirklich, die Europäischen Bürgerkonferenzen. “Als dann im Einladungsschreiben schwarz auf weiss “Auswärtiges Amt” stand, war mir klar, dass das Hand und Fuss hat”, sagt ein Teilnehmer.
Nach zwei Tagen Diskussion in Berlin kommen die befragten Teilnehmer zu einem ähnlichen Ergebnis: “Eine tolle Erfahrung” war das, man hat “viel gelernt” und “viele Eindrücke” mitgenommen. Dabei wurde auch deutlich: ”Direkte Demokratie ist gar nicht so einfach”. Viele unterschiedliche Meinungen und Emotionen lassen sich manchmal nur schwer filtern. Auch eine offen ausgetragene “Streitkultur” sei an manchen Tischen zu beobachten gewesen.
Dennoch: “Dialogforen sind eine sinnvolle Einrichtung, die viel mehr publik gemacht werden müssten”. Schließlich habe man auch nur selten die Gelegenheit, sich mit allen Altersgruppen und Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten auszutauschen. “Bis jetzt habe ich nur mit Leuten in meinem Alter diskutiert. Es ist toll die Meinungen von Menschen zu hören, die viel mehr Lebenserfahrung haben”, sagt ein 20-jähriger Teilnehmer. Für ihn sei Brüssel an diesem Wochenende viel transparenter geworden. Und das pünktlich zur Europawahl, darf er doch am 7. Juni zum ersten Mal seine Stimme abgeben.